Innenwände streichen: Farben, Nassabriebklassen, Untergrund, Werkzeuge, Verbrauch und echte Kosten

Innenwände streichen: Farben, Nassabriebklassen, Untergrund, Werkzeuge, Verbrauch und echte Kosten

Schnellüberblick: so wird der Anstrich sauber, deckend und haltbar

Ein guter Innenanstrich steht und fällt mit drei Dingen: passender Farbe für den Raum, sauber vorbereiteten Untergründen und der richtigen Technik. So vermeidest du Ansätze, Flecken und Abplatzungen und sparst am Ende Zeit und Geld.

Der Ablauf in der Praxis: Raum freiräumen oder abdecken, Untergrund prüfen und ausbessern, grundieren falls nötig, sorgfältig abkleben, Decke vor Wänden streichen, Ecken schneiden, Wände im Kreuzgang rollen, Trocknung einhalten und ein zweites Mal beschichten.

Wichtig für die Auswahl: Die Norm DIN EN 13300 teilt Innenfarben nach Nassabriebklasse, Deckvermögen und Glanzgrad ein. Für stark beanspruchte Bereiche wie Flur oder Küche empfiehlt sich Klasse 1 oder 2, fürs Schlafzimmer reicht oft Klasse 2 bis 3.

  • Micro-BOM - Material und Werkzeug, typische 18-20 m² Raum, 2,5 m Höhe
  • Innenfarbe Klasse 2, matt, 10 l: 40-80 EUR
  • Tiefgrund, 5 l (bei sandigem/kreidendem Putz): 15-30 EUR
  • Acryl-Dichtmasse 1 Kartusche: 4-8 EUR
  • Malerwalze 25 cm, mittel 12 mm Flor + Abstreifgitter: 12-20 EUR
  • Pinsel 50 mm für Kanten: 5-10 EUR
  • Malerkrepp Premium 2 Rollen + Folie/Vlies: 10-20 EUR
  • Schleifpapier, Spachtelmasse klein: 8-15 EUR
  • Gesamt DIY Material: 94-183 EUR
Modernes Wohnzimmer mit frisch gestrichener Akzentwand in Grau und sauber abgeklebten Kanten
Akzentwand in mattgrau: saubere Kanten, deckender Auftrag, ruhige Oberfläche.

Farben richtig wählen: Typen, Nassabriebklassen, Glanzgrade

Die gängigen Farbtypen und wofür sie taugen

  • Dispersionsfarbe: Allrounder für Wohnräume. Geruchsarm, einfach zu verarbeiten. Preis: ca. 2-6 EUR pro m² beschichtete Fläche bei zwei Anstrichen.
  • Silikatfarbe (verkieselnd): Diffusionsoffen, gut auf mineralischen Untergründen, ideal für Altbauputz. Benötigt passenden Untergrund oder Haftbrücke. Preis: ca. 3-7 EUR pro m².
  • Latexfarbe (moderne Kunststoffdispersion): Scheuerbeständig für stark beanspruchte Flächen, z. B. Flur, Küche, Kinderzimmer. Etwas weniger diffusionsoffen. Preis: ca. 3-8 EUR pro m².
  • Isolier-/Sperrfarbe: Für Nikotin, Wasserflecken, Ruß. Nur punktuell oder als Sonderfall, da weniger diffusionsoffen. Preis: ca. 5-10 EUR pro m².

Nassabriebklassen nach DIN EN 13300

  • Klasse 1: Sehr hohe Scheuerbeständigkeit, für Flur, Küche, Treppenhaus, Kinderzimmer. Lässt sich gut reinigen.
  • Klasse 2: Hohe Beständigkeit, Standard für Wohn- und Schlafräume, wenn langlebig gewünscht.
  • Klasse 3: Ausreichend für wenig belastete Wände, preiswert, jedoch empfindlicher bei Reinigung.
  • Klasse 4-5: Für Innenwände kaum empfehlenswert.

Glanzgrade und Wirkung

  • Stumpfmatt/matt: Verzeiht kleine Unebenheiten, reduziert Lichtreflexe. Standard fürs Wohnzimmer/Schlafzimmer.
  • Seidenmatt: Unempfindlicher gegen Verschmutzung, wirkt etwas „fester“, zeigt Untergrund eher.
  • Glänzend: Sehr robust, aber unruhig auf unebenem Untergrund. Für Spezialfälle.

Untergrund prüfen und richtig vorbereiten

Check 1: Festigkeit und Kreidung

  • Wischtest: Mit der Handfläche über die Wand wischen. Weißer Abrieb deutet auf kreidende Altfarbe hin. Lösung: Tiefgrund.
  • Gitterschnitt/Abreißtest light: Malerkrepp aufkleben und ruckartig abziehen. Löst sich Farbe in Schollen, ist der Untergrund nicht tragfähig. Lose Schichten entfernen, spachteln, grundieren.

Check 2: Saugfähigkeit

  • Wassertropfentest: Perlt das Wasser ab, ist der Untergrund wenig saugend. Zieht es sofort ein, ist er stark saugend. Lösung: Tiefgrund für gleichmäßigen Auftrag und Deckung.

Spachteln, schleifen, Fugen schließen

  • Risse öffnen, säubern, mit geeigneter Spachtelmasse schließen, trocknen lassen, schleifen (K120-K180), Staub absaugen.
  • Anschlüsse zu Leisten, Zargen, Decke ggf. mit Acryl sauber füllen, damit Kanten scharf gefasst werden können.

Grundierung: wann Tiefgrund, wann Haftgrund

  • Tiefgrund: Für sandende, kreidende, sehr saugende Putze/Altanstriche. Sorgt für gleichmäßiges Saugverhalten und bessere Haftung.
  • Haftgrund: Auf problematischen, glatten Flächen (z. B. alte Latexfarbe, Gipskarton mit Spachtelzonen), um Fleckenbildung und Wolkigkeit zu vermeiden.

Abkleben und Abdecken

  • Boden mit Malervlies, Möbel mit Folie abdecken. Kanten an Sockelleisten, Zargen und Deckenfuge mit hochwertigem Kreppband kleben.
  • Steckdosen und Schalter abnehmen oder exakt abkleben. Radiatoren mit Folie schützen.

Werkzeuge und Setups wie vom Maler

Rollen richtig wählen

  • Mittelflor 10-12 mm für glatte bis leicht strukturierte Wände. Gleichmäßige Oberfläche, gute Farbaufnahme.
  • Langflor 14-18 mm für grobere Putze. Erreicht Vertiefungen, aber kann spritzen. Langsam rollen und Abstreifgitter nutzen.
  • Kurzflor 5-8 mm für extrem glatte Oberflächen oder Lacke, eher selten für Wandfarbe.

Weitere Basics

  • Abstreifgitter oder Farbwanne, Teleskopstange, Rührstab oder Quirl für homogene Farbe.
  • Pinsel 50-60 mm für Ecken und Kanten, kleiner Rundpinsel für schwierige Stellen.
  • Abklebebänder: Washi-Papierband für scharfe Kanten, UV-stabile Bänder an Fenstern. Abziehzeit beachten, meist binnen 24-48 h.

Sinnvolle Helfer

  • Laser-Distanzmesser fürs Flächenaufmaß.
  • Feuchtemesser bei Verdachtsflächen (Außenwand, Schimmelgefahr).
  • LED-Baustrahler, um Ansätze früh zu erkennen.

Streichtechnik Schritt für Schritt

Reihenfolge und Kanten

  • Immer von oben nach unten: zuerst Decke, dann Wände.
  • Kanten schneiden: Mit Pinsel oder schmaler Rolle einen 5-8 cm breiten Rand an Decke, Ecken und um Anschlüsse vorlegen.

Fläche im Kreuzgang rollen

  • Farbe satt, aber nicht tropfend aufnehmen. Fläche in Bahnen von 1 m Breite anlegen.
  • Erst vertikal, dann horizontal oder umgekehrt kreuzweise verteilen. Zum Schluss die Fläche in eine Richtung leicht nachrollen, um die Struktur zu beruhigen.
  • Wichtig: Nass in nass arbeiten. Nicht in bereits anziehende Bereiche zurückrollen, sonst entstehen Ansätze.

Zweiter Anstrich und Kantenband

  • Trocknung laut Hersteller abwarten, meist 4-6 h zwischen den Anstrichen, Endaushärtung 24-48 h.
  • Abklebeband schräg zur frischen Kante abziehen, solange die Farbe noch minimal feucht ist. Bei komplett trockener Farbe vorher die Kante mit einem Cutter anritzen.

Verbrauch, Zeitplanung und echte Kosten

Flächen richtig berechnen

Beispielraum: 4,5 x 4,0 m, Höhe 2,5 m. Wandumfang 17 m. Wandfläche: 17 m x 2,5 m = 42,5 m². Abzüglich Tür und Fenster (z. B. 3,5 m²) bleiben rund 39 m². Decke: 18 m². Gesamt zu beschichten: ca. 57 m² pro Anstrich.

Typische Ergiebigkeit guter Innenfarbe: 6-8 m² pro Liter je Anstrich. Für 57 m² brauchst du pro Schicht etwa 8-10 Liter. Für zwei Anstriche kalkuliere 16-20 Liter. Reserve von 10 Prozent einplanen.

Zeiten realistisch planen

  • Abdecken, Abkleben, Demontagen: 1,5-3 h (allein, geübte Person)
  • Untergrundausbesserungen: 1-3 h plus Trocknung
  • Decke 1. Anstrich: 1-1,5 h, Wände 1. Anstrich: 2-3 h
  • Zwischentrocknung: 4-6 h
  • 2. Anstrich Decke und Wände: 2,5-4 h
  • Aufräumen, Band abziehen, Montage: 1-2 h

Summe DIY: 8-14 h verteilt auf 1-2 Tage, abhängig von Zustand und Routine.

Echte Kosten in Deutschland

  • DIY Material gesamt für 18-20 m² Raum: ca. 100-200 EUR je nach Qualitätsstufe und Untergrund.
  • Profiarbeit: Standardanstrich zweilagig, normale Vorbereitung, Region und Betrieb abhängig. Realistisch 10-20 EUR pro m² Wand- und Deckenfläche inklusive Material. Beim Beispiel 57 m² x 10-20 EUR = 570-1140 EUR.
  • Sonderfälle treiben die Kosten: starke Spachtelarbeiten, Nikotinflecken mit Isolierfarbe, Schimmelbehandlung, aufwendiges Abkleben, hohe Räume.

Typische Probleme und schnelle Lösungen

Streifen und Ansätze

  • Ursache: Zu trockene Anschlussbahnen, zu wenig Farbe, zu kleine Abschnitte.
  • Lösung: Nass in nass arbeiten, größere Felder am Stück beschichten, Farbmenge erhöhen, mit LED-Licht im Streiflicht kontrollieren.

Wolkige Decke

  • Ursache: Unterschiedlich saugender Untergrund, zu kurze Teleskopstange, zu warm oder zugig.
  • Lösung: Haftgrund vorab, in Bahnen arbeiten, Raumtemperatur 10-20 Grad, Zugluft vermeiden, notfalls dritter dünner Egalisationsanstrich.

Abplatzende Farbe

  • Ursache: Nicht tragfähiger Altanstrich, Fett/Staub, fehlender Tief- oder Haftgrund.
  • Lösung: Lose Schichten entfernen, reinigen, grundieren, erneut streichen.

Flecken schlagen durch

  • Ursache: Nikotin, Wasserflecken, Ruß.
  • Lösung: Isolierfarbe punktuell oder flächig, anschließend mit normaler Innenfarbe überstreichen.

Schimmelstellen

  • Ursache: Feuchtebrücke, schlechte Lüftung.
  • Lösung: Ursache klären, befallene Stellen mit geeignetem Schimmelentferner behandeln, mineralische oder hoch diffusionsoffene Farbe einsetzen, Lüftungsroutine anpassen.
Malerwerkzeuge wie Rollen, Pinsel, Abstreifgitter und Abdeckmaterial auf dem Boden
Das richtige Set-up spart Zeit und sorgt für ein gleichmäßiges Finish.

Podsumowanie

  • Untergrund prüfen: kreidend, sandend, saugend? Gegebenenfalls tief- oder haftgrundieren.
  • Passende Qualität wählen: Nassabriebklasse 1-2 für stark genutzte Räume.
  • Sauber abkleben und abdecken, Ecken schneiden, Flächen im Kreuzgang rollen.
  • Nass in nass arbeiten, zwei Anstriche einplanen, Trocknungszeiten einhalten.
  • Realistisch kalkulieren: 16-20 l Farbe und 8-14 h Arbeit für einen 18-20 m² Raum.

FAQ

Wie viele Anstriche sind nötig?

Standard ist zweilagig. Sehr gut deckende Premiumfarben schaffen helle auf hellem Untergrund teils mit 1,5 Anstrichen, dunkle Farben und Problemuntergründe brauchen oft 2-3.

Welche Farbe für Küche und Bad?

Mindestens Nassabriebklasse 2, besser 1. In Küche scheuerbeständige Dispersions- oder Latexfarben, in Bädern diffusionsoffen und schimmelresistent, Silikat bei mineralischem Putz.

Wann brauche ich Tiefgrund?

Bei kreidenden, sandenden oder stark saugenden Untergründen. Wisch- und Wassertest hilft bei der Entscheidung. Auf glatten Altanstrichen eher Haftgrund.

Wie vermeide ich Tapetenkanten und Sockelleisten-Unterläufer?

Klebekante zuerst mit Untergrundfarbe oder dünn Acryl versiegeln, danach Wunschfarbe streichen. Band rechtzeitig und schräg abziehen.