Untertisch-Trinkwasserfilter nachrüsten: Systeme, 3-Wege-Armatur, Anschlüsse, Platz und echte Kosten

Untertisch-Trinkwasserfilter nachrüsten: Systeme, 3-Wege-Armatur, Anschlüsse, Platz und echte Kosten

Warum ein Untertisch-Trinkwasserfilter sinnvoll ist

Du willst Leitungswasser ohne Chlorgeruch, mit besserem Geschmack und weniger Partikeln, aber ohne Kannenfilter auf der Arbeitsplatte? Ein Untertisch-Filter sitzt unsichtbar im Spülenschrank, liefert gefiltertes Wasser direkt aus dem Hahn und ist im Alltag komfortabel.

Wichtig ist die saubere Planung: Welches System passt zu deinem Wasser, wie viel Platz ist im Unterschrank und wie bindest du den Filter sicher in die vorhandenen Eckventile ein. Dieser Leitfaden führt dich praxisnah durch Auswahl, Montage und echte Kosten unter deutschen Bedingungen.

Die meisten Haushalte profitieren bereits von einem Aktivkohle-Filter gegen Geruch, Geschmack und organische Spuren. Bei speziellen Anforderungen kommen Ultrafiltration oder Umkehrosmose in Frage. Entscheidend sind Durchfluss, Wartungsaufwand und der verfügbare Platz hinter Müllauszug und Siphon.

  • Micro-BOM - Untertisch-Filter mit 3-Wege-Armatur
    • Filterkopf + Aktivkohle-Patrone: 1 Set - 120 bis 220 EUR
    • 3-Wege-Armatur DVGW-zertifiziert: 1 Stk - 140 bis 280 EUR
    • T-Adapter 3/8 Zoll für Kaltwasser: 1 Stk - 8 bis 15 EUR
    • Druckschläuche 3/8 Zoll, DVGW: 2 bis 3 Stk - 12 bis 25 EUR
    • Schlauchverbinder und Sicherungsclips: 1 Set - 8 bis 15 EUR
    • Dichtungen flach, PTFE-Band nur falls nötig: 1 Set - 3 bis 6 EUR
    • Montagematerial für Seitenwand: 1 Set - 5 bis 10 EUR
    • Optional: Lochbohrer 35 mm für Armatur: 1 Stk - 12 bis 25 EUR
Moderne Küchenzeile mit 3-Wege-Armatur an Edelstahlspüle, helle weiße Fronten
3-Wege-Armatur liefert gefiltertes Wasser direkt an der Spüle.

Systeme im Überblick - was passt zu deinem Wasser

1. Aktivkohle-Filter

Wirkung: reduziert Chlor, Geruch, Geschmack, viele organische Spuren, Mikroplastik je nach Porenstruktur. Durchfluss: 1 bis 4 l/min, alltagstauglich. Wartung: Kartuschenwechsel alle 6 bis 12 Monate oder nach Literleistung.

Für wen: Stadtwasser mit Chlor oder leichtem Beigeschmack, Kaffeetrinker, Familien. Vorteile: einfache Montage, keine Abwasserleitung, kein Tank. Nachteile: entfernt keine gelösten Mineralien, Schwermetallreduktion abhängig vom Modell.

2. Aktivkohle + Ultrafiltration

Wirkung: zusätzlich Rückhalt von Bakterien durch Membran 0,01 bis 0,1 µm. Durchfluss: 1 bis 2 l/min. Wartung: Membran nach Vorgabe des Herstellers, oft 12 bis 24 Monate.

Für wen: ältere Leitungen im Haus, stärkere Trübung. Vorteile: mehr mikrobiologische Sicherheit ohne Abwasser. Nachteile: teurer und etwas geringerer Durchfluss.

3. Umkehrosmose (RO), mit oder ohne Tank

Wirkung: entfernt gelöste Salze, Nitrat, viele Schwermetalle, Pestizide. Sehr reines Wasser. Durchfluss: tanklos 1 bis 2 l/min, mit Tank quasi sofort verfügbar. Zusatz: oft Remineralisierung empfohlen.

Für wen: sehr anspruchsvoller Geschmack, Kaffee und Tee, spezielle Belastungen. Vorteile: breiteste Abdeckung. Nachteile: Abwasseranfall 1:1,5 bis 1:3, Platzbedarf, teurere Filter, evtl. Strom fürs Boost-Pumpenmodul.

4. Enthärtungskartuschen punktuell

Wirkung: Ionentauscher reduziert Kalkbildung im Wasserkocher, verändert Mineralien. Einsatz: eher für Geräte- oder Teewasser als alleinige Trinklösung. Hinweis: nicht mit zentraler Hausenthärtung verwechseln.

Platz und Planung im Spülenschrank

Messe vor dem Kauf den nutzbaren Raum hinter Müllauszug und Siphon. Typische Filterköpfe benötigen 10 bis 20 cm Breite, 30 bis 40 cm Höhe und 10 bis 15 cm Tiefe. Tanklose RO-Geräte liegen oft bei 40 bis 45 cm Höhe und 15 bis 20 cm Tiefe, RO-Tanks benötigen zusätzlich rund 25 bis 30 cm Durchmesser und 35 bis 45 cm Höhe.

Siphon und Leitungen: Ein Flaschensiphon schafft Platz an der Seitenwand. Flexible Schläuche sollten mit Biegeradius verlegt werden, nicht geknickt. Leitungen immer sichtbar und zugänglich montieren.

Armatur: 3-Wege oder Zusatzhahn

  • 3-Wege-Armatur: Ein Hahn für Warm-, Kalt- und gefiltertes Kaltwasser, getrennte Kanäle. Sauber, kein Zusatzloch. Benötigt meist 35 mm Loch im Becken oder in der Arbeitsplatte.
  • Zusatzhahn: Separater kleiner Auslauf für gefiltertes Wasser. Benötigt ein 12 bis 14 mm Loch. Praktisch, wenn die vorhandene Armatur bleiben soll.

Tipp: In Mietwohnungen ist der Zusatzhahn oft stressfreier, weil die Hauptarmatur unverändert bleibt. Bei Natursteinarbeitsplatten lohnt der Fachmann fürs Bohren.

Anschlüsse: Eckventil, T-Adapter, Gewinde

  • Standard in DE: Eckventile meist 3/8 Zoll. Moderne Küchenarmaturen haben flexible Schläuche mit 3/8 Zoll Mutter.
  • Anbindung: Filter kaltwasserseitig über T-Adapter am Eckventil anschließen. Achte auf DVGW-geprüfte Armaturen und Schläuche.
  • Dichtungen: Flachdichtungen benutzen. PTFE-Band nur bei konischen Gewinden, nicht bei flachdichtenden Verschraubungen.
  • Druck: Min. 2 bar, ideal 3 bis 5 bar. Bei mehr als 6 bar einen Druckminderer vorsehen.

Schritt-für-Schritt: Montage im Bestand

Vorbereitung

  • Wasser an den Eckventilen abstellen, Mischbatterie öffnen, um Druck abzulassen.
  • Unterlage und Eimer bereitlegen. Tücher griffbereit haben.
  • Verlauf der Schläuche planen: vom Eckventil zum Filtereingang, vom Filterausgang zum 3-Wege-Kanal bzw. Zusatzhahn.

Einbau

  • T-Adapter setzen: Kaltwasser-Schlauch der Armatur vom Eckventil lösen. T-Adapter mit neuer Dichtung auf das Eckventil schrauben, dann den Armaturenschlauch und den Filterzulaufschlauch an den T-Adapter anschließen. Handfest plus maximal eine Viertelumdrehung mit dem Gabelschlüssel.
  • Filterkopf montieren: An der Seitenwand verschrauben, Kartuschenlänge beachten. Ausreichend Abstand nach unten für den Wechsel lassen.
  • Schläuche ablängen: Mit geradem Schnitt, keine Knicke. Sicherungsclips an Steckverbindern setzen.
  • Armatur montieren: 3-Wege-Armatur nach Anleitung einsetzen. Alternativ Zusatzhahnloch 12 bis 14 mm bohren und Hahn befestigen. Dichtungen korrekt positionieren.
  • RO-spezifisch: Abwasseranschluss am Siphon mit Schelle und eigenem Nippel setzen. Steigrohr über Wasserspiegel einführen, um Rücksog zu vermeiden.
  • Spülen und prüfen: Eckventile öffnen, Verbindungen prüfen. Filter nach Herstellerangabe spülen, bis das Wasser klar und geschmacksneutral ist. Alle Verbindungen mit trockenem Küchenpapier auf Dichtheit testen.

Zeitbedarf: Aktivkohle-System 60 bis 120 Minuten, RO 120 bis 180 Minuten. Zu zweit geht es entspannter.

Hygiene, Betrieb und Wartung

  • Filterwechsel: Nach Zeit oder Literleistung, je nach Hersteller 6 bis 12 Monate. Erinnerungsfunktion im Kalender setzen.
  • Durchspülen: Nach längerem Stillstand ab 1 Woche 2 bis 3 Liter ablaufen lassen. Bei Urlauben über 3 Wochen einmal zwischen-spülen lassen oder Filter vorab wechseln.
  • Keimschutz: Schläuche kurz halten, stehendes Wasser minimieren. Filterköpfe mit Rückflussverhinderer bevorzugen.
  • RO und Remineralisierung: Für neutralen Geschmack und Korrosionsstabilität eine Remineralisierungskartusche nutzen, Patronenwechsel beachten.
  • Dokumentation: Datum des Einbaus und Filterwechsel auf die Patrone schreiben. Dichtheitscheck einmal pro Monat.

Typische Fehler vermeiden

  • PTFE-Band an flachdichtenden Verschraubungen verwenden. Folge: Undichtigkeiten. Besser: neue Flachdichtung.
  • Zu enge Schlauchbögen legen. Folge: geringer Durchfluss, Leckrisiko. Besser: Mindestbiegeradius einhalten.
  • Filterkartusche horizontal auf dem Schrankboden legen. Besser: am Filterkopf vertikal an die Seitenwand montieren.
  • Arbeitsplatte ohne Unterlage bohren. Besser: Splitterschutz, Klebeband, passender Stufenbohrer. Bei Stein: Fachbetrieb.
  • Abwasser von RO falsch unterhalb des Wasserspiegels einleiten. Besser: Steigrohr oberhalb, Rücksogsicherung.

Echte Kosten in Deutschland

  • Aktivkohle Untertisch-Set, Zusatzhahn: 80 bis 180 EUR. Jährliche Filter 40 bis 70 EUR.
  • Aktivkohle + UF: 150 bis 300 EUR. Jährliche Filter 60 bis 100 EUR.
  • RO mit Tank: 200 bis 400 EUR. Filter und Wartung 70 bis 120 EUR pro Jahr. Abwasserverhältnis ca. 1:2 bis 1:3.
  • RO tanklos mit Pumpe: 350 bis 700 EUR. Filter 80 bis 150 EUR pro Jahr. Abwasserverhältnis oft 1:1,5 bis 1:2.
  • 3-Wege-Armatur: 120 bis 300 EUR. Zusatzhahn 30 bis 80 EUR.
  • Kleinteile und Schläuche: 25 bis 50 EUR.
  • Fachhandwerker: 60 bis 90 EUR pro Stunde zzgl. Anfahrt. Einbau 1,5 bis 3 Stunden: 120 bis 270 EUR.
  • Optionen: Lochbohren vor Ort 30 bis 60 EUR, Druckminderer 40 bis 80 EUR, Remineralisierung 20 bis 50 EUR.

Praxiswerte: Solides Aktivkohle-Setup mit 3-Wege-Armatur liegt komplett zwischen 250 und 500 EUR. RO tanklos mit Remineralisierung und 3-Wege-Armatur meist 600 bis 1.000 EUR inkl. Einbau.

Rechtliches und Versicherung

  • Mietwohnung: Zusatzhahn oder T-Adapter sind in der Regel rückbaubar. Bei Bohrungen in Spüle oder Platte Zustimmung des Vermieters einholen.
  • Zulassungen: Auf DVGW- oder KTW-W-Bescheinigungen achten. Schläuche und Armaturen nur mit Trinkwasserzulassung einsetzen.
  • Haftung: Alle Verbindungen auf Dichtheit prüfen, Eckventile voll funktionsfähig halten. Alte Schläuche der Armatur ab 10 Jahren tauschen.

Welches System für welchen Haushalt

  • Stadtwasser, leichter Chlorgeruch: Aktivkohle Inline-Filter. Schnell, günstig, guter Geschmack.
  • Altes Haus, Partikelmisstrauen: Aktivkohle + Ultrafiltration. Mehr Sicherheit ohne Abwasser.
  • Kaffee- und Teeliebhaber, sehr weiches Geschmacksprofil gewünscht: RO mit Remineralisierung, tanklos wenn wenig Platz.
  • Sehr hartes Wasser, Kalk im Wasserkocher stört: Punktuelle Enthärtungskartusche oder zentraler Enthärter. Für pures Trinkwasser reicht oft Aktivkohle.
  • Mietwohnung mit kleinem Unterschrank: Kompakter Aktivkohle-Filter plus Zusatzhahn, kein Tank, kein Strom.
Unter dem Spülbecken montierte Schläuche und Filtergehäuse, sauber verlegt
Saubere Schlauchführung und zugängliche Montage im Unterschrank.

Podsumowanie

  • Wasser testen: Geruch, Geschmack, Härte, lokale Infos vom Versorger prüfen.
  • System wählen: Aktivkohle, Aktivkohle+UF oder RO passend zum Bedarf.
  • Platz prüfen: Siphon, Müllauszug, Freiraum für Kartuschenwechsel.
  • Anschluss planen: T-Adapter 3/8 Zoll, DVGW-Schläuche, 3-Wege oder Zusatzhahn.
  • Montieren: sauber, knickfrei, flachdichtend, Dichtheit testen und spülen.
  • Wartung setzen: Wechselintervall im Kalender, monatlicher Sichtcheck.

FAQ

Darf ich als Mieter einen Untertisch-Filter selbst installieren?

Ja, wenn du nur am Eckventil einen T-Adapter setzt und einen Zusatzhahn nutzt. Für Bohrungen in Spüle oder Arbeitsplatte brauchst du die Zustimmung des Vermieters.

Ist eine 3-Wege-Armatur Pflicht?

Nein. Sie ist komfortabel und optisch sauber, aber ein Zusatzhahn ist günstiger und oft einfacher nachzurüsten. Technisch funktionieren beide Lösungen gleich gut, solange getrennte Leitungen verwendet werden.

Wie viel Abwasser produziert eine Umkehrosmose?

Je nach Gerät etwa 1:1,5 bis 1:3 Abwasser zu Reinwasser. Moderne, tanklose Systeme mit Pumpe sind effizienter. Für 2 Liter Trinkwasser fallen typischerweise 3 bis 6 Liter Abwasser an.

Wie oft muss ich Filter wechseln und wie erkenne ich es?

Herstellerangaben beachten, meist alle 6 bis 12 Monate. Spätestens bei nachlassendem Durchfluss oder verändertem Geschmack wechseln. Datum und Literleistung notieren.